Unter Druck – die Geschichte des Textilprints

Mary Katrantzou via

Mary Katrantzou via

Vor gar nicht allzu langer Zeit schien ein Revival des Textilprints unmöglich. Verschrien waren die farbenfrohen Modekollektionen der 70er und 80er Jahre. Die grungigen 90er waren für bunte Muster einfach zu cool. Doch dann, 2008, kam eine junge Griechin namens Mary Katrantzou, die mit ihren fotorealistischen, raffinierten Kompositionen den Nerv der Zeit traf und den Textilprint wiederbelebte – seitdem ist er omnipräsent. Doch warum und wo kommt er eigentlich her?
Agnes Friedrich macht sich für modabot auf Spurensuche.

Mary Katrantzou

Katrantzou – links Resort Kollektion 2014 via / rechtes Bild Herbst/Winter 2013 via

Ein wichtiger Grund für den aktuellen Siegeszug des Stoffdruckes sind natürlich die immer preisgünstiger werdenden Druckkosten – der digitale Textildruck macht’s möglich. Eine wahre Revolution in der langen Geschichte des Bedruckens von Stoffen, das immer schwierig und teuer war. Die Beschaffung der Farbpigmente, die Druckplatten, die fachkundigen Arbeiter – Textilien zu bedrucken war in der Vergangenheit stets ein kostspieliges und aufwendiges Unterfangen.

Wie alles anfing – Eine ungeklärte Enstehungsgeschichte
Es ist bis heute nicht geklärt, in welchem Land und zu welcher Zeit genau der Stoffdruck erfunden wurde. In Indien und Afrika soll er schon seit Jahrtausenden bekannt sein. Grabfunde aus frühchristlicher Zeit belegen eine hochentwickelte Textilkultur; Funde aus dem 6. – 8. Jahrhundert belegen die Existenz von zwei verschiedenen Druckverfahren: Direktdruck und  Reservedruck.
Doch während der prunkverliebten Barockzeit geriet der Stoffdruck immer mehr in Vergessenheit. Der Adel und seine Nachahmer bevorzugten gold- und silberdurchwirkte Samt- und Seidenstoffe. Erst im 18. Jh. erlebt der Textildruck einen neuen Aufschwung, da so die sehr kostspieligen Seidenbrokate als Druck nachempfunden werden konnten.
Im 19.Jahrhundert erreichte diese Technik ihren Höhepunkt – man spricht von Modeldruck oder Zeugdruck, bei dem Formenstecher mit hoher Handwerkskunst und Präzision Muster in das Holz schlugen.

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Bild links Muster in Holz via / Bild rechts bedrucktes Kelchtuch 18. Jahrhundert via

Zeugdruckerei / Direktdruck (Zeug = altertümlicher Ausdruck für Gewebe aus Baumwolle oder Leinen)
Diese Drucktechnik ist die älteste uns überlieferte Art in Europa, farbige Muster auf Stoff zu bringen. Das Motiv wurde in Holzblöcke geschnitzt, auf das Relief dann die Farbe aufgetragen und anschließend auf den Stoff gepresst.
Schon bald kam die Verwendung von Holzwalzen, die mit Hilfe von Maschinen in Bewegung gesetzt wurden, und somit viel schneller arbeiteten als der Handdruck. Später wurden die in Holz gefertigten Muster durch Metall und Kupfer ersetzt.
Die Schwierigkeit bei dieser Technik lag vor allem darin, dass die Farben gut an den Textilien haften mussten. Es wurde viel experimentiert: mit geronnenem Eiweiß, Zinnpulver oder ammoniakhaltiger Kaseinlösung (Proteinanteil der Milch, der zur Käseherstellung dient), sowie den unterschiedlichsten Dämpftechniken.

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Bild links Holzvorlage  / Bild rechts Metalldruckvorlage via

Blaudruck / Reservedruck
Ursprünglich aus Indien stammend und auch als „Kattundruck“ bezeichnet.
Diese Technik bestand darin, das gewünschte Muster mit Beize aufzutragen, den Stoff anschließend in Farbbädern zu färben. An den mit Beize versehenen Stellen blieb der Stoff in seiner ursprünglichen bzw. Ausgangsfarbe. Bei dieser Technik spricht man auch von Reservetechnik oder Blaudruck, die später vor allem mit heißem Wachs umgesetzt wurde und bis heute ihre Verwendung im Batiken findet.

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Bild links Blaudruck via / Bild rechts Walzendruckmaschine via

Siebdruck
Es heißt, der Siebdruck habe seinen Ursprung in der japanischen Textil – Schablonen – Kunst. Die Schablone – meist aus Holz oder Papier – ist das älteste Werkzeug für die Herstellung von Wand- und Textildekorationen, und bereits um 700 n.Chr. in Asien als Kunsthandwerk bekannt.
Andere sehen den Ursprung des heute bekannten Siebdruckes, wegen der vielen Patentanmeldungen in und um San Francisco, eher in der „Schildermalerei“ der USA zu beginn des 20. Jahrhunderts. Dort begann man mit Schablonengewebe aus Seidengaze zu experimentieren.

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Bild links jap. Schablonentechnick 1900 via / Bild rechts Siebdruck aus Berlin 1930 via

Vor ungefähr 50 Jahren begann dann die Geschichte des industriellen Textildrucks.
Zu Anfang wurden vor allem Jerseystoffe für Unterwäsche und Schlafanzüge im Flachsiebdruckverfahren, später dann auch im Rolleau-Druckverfahren bedruckt.
In den 70er Jahren begannen Textildesigner aus den USA, nur Teile eines Kleidungsstücks zu bedrucken, nicht mehr das komplette Textil: dies war die Geburtsstunde der bedruckten T-Shirts mit ihren Slogans und Konterfeis.

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Bild links Siebdruckwerkstatt via / Bild rechts vintage 70s Shirt via

Digitaler Textildruck
Seit 1995 wird intensiv an dieser Drucktechnik geforscht, die es erstmals ermöglicht, Textilien ohne vorgefertigte Schablonen zu bedrucken. Nun können komplexe Motive, sogar Fotos, auf die komplette Stoffbreite gedruckt werden.
Es gibt zum ersten Mal keinerlei Einschränkungen mehr, was Motivgröße und die Anzahl der Farben betrifft. Beim Digitaldruck werden meist Pigmenttinten verwendet, die eine hohe UV-Beständigkeit aufweisen und sehr gut waschbar sind. Vorteile sind außerdem die schnellere und kostengünstigere Produktion,  die sich nun auch bei kleinen Stückzahlen lohnt.
Logisch also, dass diese neue Möglichkeit derzeit ein spannendes Experimentierfeld für Designer bietet.

foto digi print

Bild links „Blackbarrett“ via / Bild rechts „Shelfies“ via

Agnes Friedrich studierte Modedesign an der Esmod Berlin und hat sich auf Printdesigns spezialisiert. Sie entwirft Stoffdrucke für namhafte Berliner und internationale Designer.