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	<title>modabot &#187; Feminismus</title>
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	<description>Modabot - Mode News Nachrichten Film Fotografie / Fashion News Film Photography</description>
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		<title>Selbstverteidigung oder Victim-Blaming? Anti-Rape Pants verursachen Empörung</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Nov 2013 17:36:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Russ]]></dc:creator>
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	Die Schuld beim Opfer zu suchen, wenn eine sexuelle Straftat stattgefunden hat, ist vielerorts noch immer gängige Praxis. Vor allem in den amerikanischen Medien wird gerne diskutiert wie Vergewaltigungen vermieden werden können und wo die Verantwortung liegt. Verantwortungsvoll trinken, sagen<br /><a class="more" href="http://www.modabot.de/anti-rape-pants-verursachen-emporung">[weiter...]</a>]]></description>
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	<p><iframe src="//player.vimeo.com/video/74514464" width="584" height="329" frameborder="0" title="ARWEAR" webkitallowfullscreen mozallowfullscreen allowfullscreen></iframe></p>
<p>Die Schuld beim Opfer zu suchen, wenn eine sexuelle Straftat stattgefunden hat, ist vielerorts noch immer gängige Praxis. Vor allem in den amerikanischen Medien wird gerne diskutiert wie Vergewaltigungen vermieden werden können und wo die Verantwortung liegt. Verantwortungsvoll trinken, sagen einige, nicht zu aufreizend angezogen sein, andere (Mit einer solchen Aussage eines kanadischen Polizisten wurde die Idee zu den weltweit stattfindenden Slutwalks geboren) &#8211; eine Teilschuld bleibt so immer am Opfer hängen. Nun entwickelte ein Team zweier junger Frauen aus New York eine Unterhose, die &#8222;rape-proof&#8220; sein soll und verursachte eine Welle der Entrüstung in den Medien. <span id="more-32083"></span></p>
<p>Wenn man sich das Video so ansieht kann man natürlich all die Einwände, die verschiedene Medien dazu äußern verstehen: was ist, wenn man ganz dringend wohin muss und die Kombination nicht mehr weiß? Was ist im Falle eines medizinischen Notfalls? Was ist mit Frauen, die in einer gewalttätigen Beziehung stecken? Was ist mit fülligeren Frauen? Und vor allem: warum sollten Frauen einen vermutlich unbequemen &#8222;Keuschheitsgürtel&#8220; tragen müssen, damit sie nicht vergewaltigt werden? Ist es nicht der Vergewaltiger, der einfach nicht vergewaltigen sollte?</p>
<p>Doch ändert diese Entrüstung nichts daran, dass Vergewaltigungen nach wie vor passieren. Nun muss man dazu sagen, dass die Erfinderinnen selbst darauf hinweisen, dass ihr Produkt nicht hilft, diese Tatsache zu ändern, und dass diese nur durch “raising awareness and education, as well as bringing rapists to justice&#8220; letzten Endes abgeschafft werden könne.</p>
<p>Man kann ihnen all die zuvor genannten Dinge vorhalten, sicherlich. Doch am Ende stehen möglicherweise verhinderte Vergewaltigungen und nicht-traumatisierte Opfer. Und die Medienresonanz, die der Vorschlag kreiert hat, ist auch nicht zu vergessen. Wenn das Thema in den Medien ist, die Awareness für die Thematik also steigt, ist damit nicht schon allen ein bisschen geholfen? Besser als &#8222;Drink Responsibly&#8220; und &#8222;No Miniskirts&#8220; scheint der Vorschlag allemal. Das Projekt AR wear kann <a href="http://www.indiegogo.com/projects/ar-wear-confidence-protection-that-can-be-worn" target="_blank">hier</a> unterstützt werden.</p>
<div id="attachment_32086" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">AR Wear</p></div>
<div id="attachment_32087" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">AR Wear</p></div>]]></content:encoded>
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		<title>Rick Owens SS14 &#8211; der Catwalk als Plattform für Gesellschaftskritik</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Sep 2013 09:39:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Russ]]></dc:creator>
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	<a href="http://www.modabot.de/rick-owens-ss14-catwalk-als-plattform-fur-gesellschaftskritik"><img title="RickOwens3203web" src="http://www.modabot.de/wp-content/uploads/RickOwens3203web.jpg" alt="Rick Owens SS14 &#8211; der Catwalk als Plattform für Gesellschaftskritik" width="200" height="133" /></a>
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	Rick Owens&#8216; SS14 Präsentation schlägt derzeit Wellen in der Presse. Vielerorts gelobt, doch auch kritisiert wird seine Wahl, eine Tanzgruppe großenteils dunkelhäutiger, großenteils übergewichtiger Frauen auf die Bühne zu schicken. Fest steht, hier ist ein Bruch der Modewochenkonventionen geschehen, der<br /><a class="more" href="http://www.modabot.de/rick-owens-ss14-catwalk-als-plattform-fur-gesellschaftskritik">[weiter...]</a>]]></description>
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	<a href="http://www.modabot.de/rick-owens-ss14-catwalk-als-plattform-fur-gesellschaftskritik"><img title="RickOwens3203web" src="http://www.modabot.de/wp-content/uploads/RickOwens3203web.jpg" alt="Rick Owens SS14 &#8211; der Catwalk als Plattform für Gesellschaftskritik" width="200" height="133" /></a>
	</div>
	<p><span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='584' height='359' src= frameborder='0' allowfullscreen='true'></iframe></span></p>
<p>Rick Owens&#8216; SS14 Präsentation schlägt derzeit Wellen in der Presse. Vielerorts gelobt, doch auch kritisiert wird seine Wahl, eine Tanzgruppe großenteils dunkelhäutiger, großenteils übergewichtiger Frauen auf die Bühne zu schicken. Fest steht, hier ist ein Bruch der Modewochenkonventionen geschehen, der genauer betrachtet werden sollte. Und wenn man sich Rick Owens bisherige Laufbahn, seine Philosophie zu Gemüte führt, wird klar, dass es hier nicht einfach mit einem &#8222;danke für die Diversity auf dem Catwalk&#8220;-Statement getan ist. Da beginnt die Dekonstruktions-Arbeit dieser Performance eigentlich erst. <span id="more-30426"></span></p>
<p><span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='584' height='359' src= frameborder='0' allowfullscreen='true'></iframe></span></p>
<p>Selbstverständlich, in einer Branche, die seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten für ihre ungesunden Körperideale kritisiert wird, für die fehlenden People of Color in ihren Anzeigen und auf dem Laufsteg, ist es eine erfrischende Abwechslung, ein inklusiveres Casting zu sehen zu bekommen. Auch die Art der Inszenierung, der Step-Dance, den die College-Studentinnen aus L.A., Brooklyn und Washington da aufführten, war ein eindrucksvolles Zurschaustellen von massigeren Körpern in Bewegung, ein Zeichen, dass die Frauen trotz Übergewicht stark, fit und gesund sein können, dass es eben nicht nur eine Art von Schönheit gibt.</p>
<p><em>&#8222;Throughout history, people have gathered together to celebrate beauty. And celebrating beauty in a communal moment, that&#8217;s one of the best things in life and you can&#8217;t do that in a video. And that&#8217;s part of what fashion is about: celebrating  something that everybody can feel at the same time. Fashion shows are kind of a pageant or a ceremony and the clothes are like relics from that ceremony that you can keep. I like to think of it that way. I might be making it more poetic in my head, but I enjoy it, I enjoy that little story.&#8220;</em> Rick Owens, (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=iWbtOwJ2A2o" target="_blank">Quelle</a>)</p>
<div id="attachment_30490" style="width: 950px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Rick Owens, SS14, Bild <a href="http://www.thesartorialist.com/photos/rick-owens-springsummer-2014-2/" target="_blank">via</a></p></div>
<p>Und trotzdem bleibt irgendwie ein fahler Beigeschmack bei der Art, wie diese Show Wellen schlägt, wie sie in den Medien besprochen wird, wie sie vermutlich nichts an den Konventionen der Mode ändern wird. Die Mode ist per Definition ein oberflächliches Medium, die Berichterstattung über sie demzufolge meist auch mit der Oberfläche beschäftigt. Daher fehlt den meisten in diesem Metier scheinbar die Fähigkeit, auch einmal näher hinzusehen, zu hinterfragen, zu analysieren. Begeisterung ob der Abwechlsung, die Schönheit &#8222;normaler Frauen&#8220; loben, einmal im Jahr, das ist nicht genug.</p>
<div id="attachment_30491" style="width: 950px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Rick Owens, SS14, Bild <a href="http://www.thesartorialist.com/photos/rick-owens-springsummer-2014-2/" target="_blank">via</a></p></div>
<p>Das Ende des Laufstegs ist in violettes Licht getaucht, in dem von hinten beleuchteten Backstageausgang erscheinen die Silhouetten zweier amazonenhaft wirkender Frauen, zum Percussionbeat. Die sich auf die Brust schlagenden Kämpferinnen lassen sich Zeit, die Treppen zum Catwalk hinunterzustampfen, ihre Gesichter, die erst spät erkennbar werden, sind zu wütenden Grimassen verzogen. Die Mähnen ungebändigt oder verborgen unter Schleiern, die Kleidung ist schwarz, ledern, kurz, und erinnert an eine Art Rüstung, vielleicht Uniform, diesen mächtigen Frauen (man beachte, wie hier das Wort &#8222;mächtig&#8220; seine Konnotation ändert) stellt man sich besser nicht in den Weg.<br />
Ist das nun, wie man so einfach und gerne schreiben könnte, ein Lobgesang auf die Stärke der (schwarzen) Frau, den Kampfgeist, die Willenskraft?</p>
<div id="attachment_30492" style="width: 950px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Rick Owens, SS14, Bild <a href="http://www.thesartorialist.com/photos/rick-owens-springsummer-2014-2/" target="_blank">via</a></p></div>
<p>Sicherlich auch, ja, aber ganz so einfach kann und darf man es sich hier, so finde ich, nicht machen. Denn Rick Owens, zusammen mit einigen wenigen anderen Modemachern, ist ein Philosoph, der Stoff statt Worte benutzt, um seine Gedanken auszudrücken. Hätte er lediglich ein Statement für mehr Diversity und Frauenpower setzen wollen, so hätte er es einfacher haben können. Nein, hier geht es um mehr.</p>
<p><iframe src="http://www.washingtonpost.com/posttv/c/embed/4551251a-5678-11e1-97f5-253e8a4fb5bc" height="344" width="570" allowfullscreen="" frameborder="0" scrolling="no"></iframe></p>
<p>Die &#8222;Angry Black Woman&#8220; ist ein ständig wiederholter Stereotyp der amerikanischen Geschichte, der Popkultur. In welchen Rollen werden schwarze Frauen in Film, Fernsehen und Fotografie gezeigt? Wo tauchen sie in der Populärkultur auf? Wie werden sie repräsentiert? Es gibt ziemlich genau drei Arten: hyper-sexualisiert, als Big-Mama-Typ oder wütend, im Ausnahmefall eine Kombination von zwei oder drei dieser Klischees.</p>
<p>Gründe für Wut, neben dieser Einschränkung an sichtbaren Rollenvorbildern, gibt es genügend. Afriamerikanische Frauen verdienen von allen ethnischen Gruppen (zusammen mit Latinas) am wenigsten, haben die niedrigste Heiratsrate, eine hohe Abtreibungs- und die höchste Alleinerziehendenrate. Sie sind die Verliererinnen des amerikanischen Projekts, das von Beginn an auf ihrem Rücken gebaut wurde. (Diese <a href="http://www.jstor.org/discover/10.5406/blacwomegendfami.3.2.0068?uid=3738016&amp;uid=2&amp;uid=4&amp;sid=21102706532153" target="_blank">Studie</a> übrigens zeigt, dass schwarze Frauen keineswegs eine niedrigere Agressionsschwelle haben, als die Vergleichsgruppe)<br />
Der Abgang der Tänzerinnen, an eine Polonaise erinnernd, ist laut <a href="http://www.ft.com/intl/cms/s/2/3ad06346-275d-11e3-ae16-00144feab7de.html#axzz2gHJQv9YJ" target="_blank">Financial Times</a> tatsächlich eine militärische Erfindung aus dem Bürgerkrieg, um sich durch Aufständische zu schlängeln. Und was war noch mal der Grund für den Bürgerkrieg? Sklaverei, genau. Diese Frage bleibt beim FT Artikel allerdings ungefragt, die Gründe unerklärt.</p>
<div id="attachment_30493" style="width: 950px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Rick Owens, SS14, Bild <a href="http://www.thesartorialist.com/photos/rick-owens-springsummer-2014-2/" target="_blank">via</a></p></div>
<p>Aber es geht nicht nur um eine Geschichte der schwarzen Frau, es geht hier auch darum, wie Frauen allgemein mundtot gemacht werden, mit ebensolchen Labels wie &#8222;Angry Black Woman&#8220; oder &#8222;Feminazi&#8220;. Wie begründete Wut als PMS oder Hysterie abgetan wird, wie auf die noch immer nicht erreichte Gleichberechtigung der Frau scheinbar nur, wie hier bei <a title="Heidi Horror Picture Show – Das Model als Politikum" href="http://www.modabot.de/heidi-horror-picture-show-das-model-als-politikum">Femen</a>, mit Zuckerbrot und Brüsten aufmerksam gemacht werden kann &#8211; kurz, das Versagen der Medien und Presselandschaft, die Interessen Aller zu repräsentieren.<br />
Die engen Verhaltenskodices innerhalb derer &#8222;richtige&#8220; , also gesellschaftlich akzeptierte, Weiblichkeit stattfindet, performt wird: nicht laut, nicht wütend, nicht viel Platz einnehmend &#8211; so soll ein &#8222;gutes&#8220; Mädchen sein. Das &#8222;normale&#8220; Laufstegmodel ist damit ein Paradebeispiel von unterdrückter weiblicher Macht: sie schweigt, sie folgt, sie präsentiert, sie wartet, sie hungert, sie funktioniert. Die wütenden Stampfer vom Owens dagegen sind eine Präsentation weiblicher Macht und Wut, eine Darstellung, die echten Seltenheitswert genießt.</p>
<p><span class='embed-youtube' style='text-align:center; display: block;'><iframe class='youtube-player' type='text/html' width='584' height='359' src= frameborder='0' allowfullscreen='true'></iframe></span></p>
<p>Rick Owens hat sich getraut, seine Catwalkshow als politisches und gesellschaftliches Statement zu nutzen, eine Aussage über die Emanzipation und die Repräsentation der Frau zu treffen, er hat seine Stimme als öffentliche Person genutzt. Er hat Inhalt über Verkaufszahlen gestellt, seine Außenseiterposition als Amerikaner in Paris genutzt um eine Fülle von Probleme sichtbar zu machen, die sonst gerne kleingeredet oder totgeschwiegen werden.<br />
Dafür vielen Dank, Rick.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Die verlorene Aussage, oder: das Ende der Mode?</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Sep 2013 08:03:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Russ]]></dc:creator>
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	<a href="http://www.modabot.de/lost-generation"><img title="chaostocouture_2554333b" src="http://www.modabot.de/wp-content/uploads/chaostocouture_2554333b.jpg" alt="Die verlorene Aussage, oder: das Ende der Mode?" width="200" height="125" /></a>
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	Kürzlich, in einem Gespräch mit  Freunden, in welchem es um Mode ging, kam folgende Frage auf: was hat die Mode heute noch zu sagen? In der Vergangenheit, so einer meiner Gesprächspartner, sei die Mode stets der Gesellschaft vorausgeeilt. Nun suche<br /><a class="more" href="http://www.modabot.de/lost-generation">[weiter...]</a>]]></description>
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	<div>
	<a href="http://www.modabot.de/lost-generation"><img title="chaostocouture_2554333b" src="http://www.modabot.de/wp-content/uploads/chaostocouture_2554333b.jpg" alt="Die verlorene Aussage, oder: das Ende der Mode?" width="200" height="125" /></a>
	</div>
	<div id="attachment_29548" style="width: 1034px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">&#8222;I shop, therefore I am&#8220;, Barbara Kruger.</p></div>
<p>Kürzlich, in einem Gespräch mit  Freunden, in welchem es um Mode ging, kam folgende Frage auf: was hat die Mode heute noch zu sagen? In der Vergangenheit, so einer meiner Gesprächspartner, sei die Mode stets der Gesellschaft vorausgeeilt.<br />
Nun suche sie immer wieder Zuflucht in &#8222;Retro&#8220; und &#8222;Vintage&#8220;, verliere sich in ewigen Neuauflagen der Vergangenheit. Doch dies seien letzten Endes nur Euphemismen für ein und dasselbe Problem: die Mode tue nichts mehr für die Menschen, außer &#8211; so wandte ich scherzhaft ein &#8211; zu verursachen, dass er sich zu fett fühle. Doch warum ist das so, warum trifft die Mode im 21.Jahrhundert keine Aussagen mehr? Eine Spurensuche. <span id="more-29471"></span></p>
<p>Vor etwa hundert Jahren, 1911, entwarf Paul Poiret die Harem Pants, auch &#8222;Jupe-culotte&#8220; genannt, eine orientalisch inspirierte Schöpfung irgendwo zwischen Rock und Hose &#8211; damals eine wahrhaft schockierende Neuheit, aus mehreren Gründen. Erstens: Frauen trugen damals keine Hosen; Bein zu zeigen, den Körper der Frau derart abzuformen war eine unerhörte Obszenität, man fürchtete die &#8222;Vermännlichung der Frau&#8220;. Zweitens: die Harem Pant griff die neue Faszination mit dem Orientalischen auf, die das Ballet Russe initiiert hatte, und das Ballet Russe war ein Anschlag auf die politischen und sozialen Normen der Zeit. Drittens: Orientalismus als Chic zu verkaufen, hieß auch, Zweifel an der damals herrschenden Meinung zu äußern, dass der Westen allen anderen Kulturen überlegen sei. Die Haremhose Paul Poirets war also dreifach politisch aufgeladen: geschlechterpolitisch, kulturpolitisch und geopolitisch.</p>
<div id="attachment_29544" style="width: 588px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Ballet Russes</p></div>
<p></p>
<p>Auch Coco Chanel nutzte die Macht des ethnischen-inspirierten Designs um Dissent auszudrücken; war, wie man in <a title="Film: Coco Chanel und Igor Stravinsky" href="http://www.modabot.de/film-coco-chanel-und-igor-stravinsky">Coco und Ivan</a> sehen konnte, eng mit dem Ballet Russes verbandelt. Doch ihre bahnbrechende Aussage traf sie etwas, wenn auch nicht viel, später mit dem Einsatz vorher als minderwertig betrachteter Materialien. Coco Chanels wahre Errungenschaft war nicht das kleine Schwarze, sondern ihre Herangehensweise an Materialien: unechte Perlen, chemische Inhaltsstoffe in ihrem Parfüm und Jersey waren die wahren Neuheiten eingeführt unter Mademoiselle. Sie nivellierte den qualitativen Unterscheid zwischen teuer und billig &#8211; und auch wenn ihre Kreationen nicht für Jedermann leistbar waren, H&amp;M und Zara verdanken es zu einem nicht geringen Teil ihr, dass sie heute bei den Großen mitspielen dürfen, dass günstig auch chic sein kann. Sie sah damit große gesellschaftliche Umwälzungen hervor, die das Wirtschaftswunder in der Nachkriegszeit mit sich bringen würde.</p>
<div id="attachment_29486" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">* Coco Chanel wearing a jersey suit in Biarritz, 1928. Shot by Roger-Viollet.</p></div>
<p>Dann kam Yves Saint Laurent. Er nahm die letzte große Hürde und steckte die Frau in einen Smoking, verwandelte die Kunstwerke Mondrians und van Goghs in Kleidungsstücke, fabrizierte eine Kollektion zu scheinbar jeder Kultur &#8211; die Vielfalt, die er schuf übersetzte den Aufruhr des Civil Rights Movements und des Feminismus seiner Lebzeiten in Stoff.<br />
In den 80ern erlebte die Mode ihre nächste große Rebellion, als die Japaner, allen voran Rei Kawakubo, die Schneiderei, und die vermeintlich einzig wahre &#8211; ergo westliche- Ästhetik auf den Kopf stellten. Ein letztes Wetterleuchten bescherte uns Alexander McQueen, dessen Kollektionen die Macht besaßen, die Welt auf den Kopf zu stellen, oder zumindest neu zu überdenken.<br />
Doch seitdem? Es scheint, die Mode stecke fest, klopfe vergeblich gegen eine Glasdecke, die bereits abgeschafft scheint.</p>
<div id="attachment_29546" style="width: 600px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Yves Saint Laurent</p></div>
<p>Vielleicht ist genau das das Problem. Ähnlich wie der Feminismus, so scheint sich auch die Mode in einem angenehmen, aber ungerechtfertigten, Mittagsschläfchen zu befinden. Mit vermeintlich keinen gravierenden Problemen mehr, gegen die es in dieser westlichen Konsumgesellschaft zu kämpfen gibt, kann sie sich bequem dem Kapitalismus hingeben, sich zwitterhaft immer wieder von ihrer eigenen Formensprache befruchten lassen und dem süßen Nichtstun frönen, während das Online-shopping den Rest besorgt.</p>
<div id="attachment_29550" style="width: 630px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Punk Ausstellung im Metropolitan Museum New York</p></div>
<p>Vielleicht gibt es nach Punk, nach Strukturalismus, nach der Postmoderne, der ultimativen Dekonstruktion, einfach nichts mehr zu sagen?<br />
Sind wir eine verlorene Generation, oder besser, ist uns die Macht der Formulierung, der Zielsetzung verloren gegangen? Selbst die (Leit-)Medien, wie es Meredith Artley, Managing Editor von CNN neulich so <a href="http://www.theonion.com/articles/let-me-explain-why-miley-cyrus-vma-performance-was,33632/" target="_blank">pointiert darlegte</a>, sind mehr interessiert an Klickzahlen und Auflagensteigerung als an investigativem oder mobilisierendem Journalismus.<br />
Ähnlich wie bei dem kläglichen Ende der Occupy Wall Street Bewegung, das nach dem Winter einfach nicht mehr an Fahrt aufnehmen konnte, fehlt es der aktuellen Generation an einer klaren Agenda: nichts scheint mehr sicher, keine Zukunftspläne mehr schmiedbar, die Pluralität der Lebensentwürfe verhindert eine klare Entscheidung. Auch die Mode kann sich nicht auf eine deutliche Aussage einschießen, treibt sich eine Saison in den 40ern, eine andere in den 90ern herum und dreht Däumchen.</p>
<div id="attachment_29549" style="width: 678px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">What Is our one demand? Occupy Wall Street Flyer</p></div>
<p>Nun fehlt natürlich ein Lösungsvorschlag dieses Dillemmas: <a title="Gastbeitrag: Fredericke Winkler über ökorrekten Luxus" href="http://www.modabot.de/gastbeitrag-fredericke-winkler-uber-okorrekten-luxus" target="_blank">Ökorrektes</a>, <a title="3D-Printing in der Mode – Code statt Handarbeit" href="http://www.modabot.de/3d-printing-in-der-mode-code-statt-handarbeit" target="_blank">3D-Print</a>, <a title="Eco-Wearables: Tee oder Kaffee?" href="http://www.modabot.de/eco-wearables-tee-oder-kaffee" target="_blank">Wearables</a> könnten die Entwicklungsfelder der Zukunft zu sein. Doch allen drei mangelt es an Potential, was politische und soziale Kritik angeht &#8211; sie sind keine Revolution, sondern lediglich eine Kontinuation des Status Quo.<br />
Sind alle Schlachten der Mode geschlagen? Ist die Zeit der kritischen Mode ein für allemal vorüber?<br />
Natürlich nicht.<br />
Aber es wird höchste Zeit, dass sie ihre Stimme wiederfindet.</p>]]></content:encoded>
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		<title>Heidi Horror Picture Show &#8211; Das Model als Politikum</title>
		<link>http://www.modabot.de/heidi-horror-picture-show-das-model-als-politikum</link>
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		<pubDate>Fri, 31 May 2013 16:16:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Barbara Russ]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Fashion]]></category>
		<category><![CDATA[Feature]]></category>
		<category><![CDATA[Femen]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Germany's Next Topmodel]]></category>
		<category><![CDATA[GNTM]]></category>
		<category><![CDATA[Heidi Klum]]></category>
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	Germany&#8217;s Next Topmodel ist wahrlich kein Glanzlicht deutscher TV-Hochkultur, dennoch schaffte es das Finale der mittlerweile achten Staffel der Castingshow, gute 20% der Zielgruppe vor die heimischen Flatscreens und zu den Chipstüten zu locken. Neben jeder Menge Scheinspaß überraschte die<br /><a class="more" href="http://www.modabot.de/heidi-horror-picture-show-das-model-als-politikum">[weiter...]</a>]]></description>
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	<div id="attachment_26105" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Germany&#8217;s Next Topmodel Finale, Femen Aktivistin stört.</p></div>
<p><a href="http://www.prosieben.de/tv/germanys-next-topmodel/" target="_blank">Germany&#8217;s Next Topmodel</a> ist wahrlich kein Glanzlicht deutscher TV-Hochkultur, dennoch schaffte es das Finale der mittlerweile achten Staffel der Castingshow, gute 20% der Zielgruppe vor die heimischen Flatscreens und zu den Chipstüten zu locken.<br />
Neben jeder Menge Scheinspaß überraschte die Sendung aber mit einem ungeplanten Zwischenfall: Aktivistinnen des deutschen Ablegers der feministischen Organisation <a href="http://femen.org/" target="_blank">Femen</a> (die Seite ist seit gestern down) stürmten in gewohnt barbusiger Manier die Bühne und taten schriftlich ihre Meinung zur Serie kund: &#8222;Heidi&#8217;s Horrow Picture Show&#8220; hatten sie auf ihre Oberkörper geschrieben, &#8222;Kein Foto für Heidi&#8220; skandierten sie &#8211; eine Kritik an dem Körperidealen, die GNTM und Klum in den Augen der Feministinnen vertreten. <span id="more-26092"></span></p>
<p>In einem <a href="http://www.gmx.net/themen/tv/shows/56aersc-femen-aktivistinnen-gntm-heidi-klum-topmodel" target="_blank">Interview</a> sagten die beiden Protestierenden: &#8222;Wir sind gegen die Werte, die <em>&#8222;Germany&#8217;s next Topmodel&#8220; ausdrückt. Es ist eine Show, die falsche Frauenbilder vermittelt. Diese Sendung ist auf eine sehr junge Zielgruppe ausgerichtet, die das Topmodelwerden sehr ernst nimmt. Es wird ein falsches Bild vom eigenen Körper wiedergegeben. Heidi geht, wenn eine Kandidatin einen Schokoriegel gegessen hat, dann einfach mit dem Maßband hin und sagt: &#8218;Du bist nicht so in der besten Shape.&#8216; Das geht doch nicht. Das ist furchtbar. So entstehen Geschichten wie Bulimie oder Anorexie&#8220; </em>und weiter <em>&#8222;Heidi Klum hat sich während der gesamten Staffel wie eine Zuhälterin verhalten. Sie sorgt dafür dass die Frauen sich so benehmen und verkaufen, dass sie von der Gesellschaft für sexy empfunden werden.&#8220;</em></p>
<p>Erst vor Kurzem waren Mitglieder von Femen in Berlin auf die Barrikaden gegangen, als dort das Barbie-Dreamhouse, ein lebensgroßes Erlebnispuppenhaus, eröffnet wurde. Auch hier hatte Femen den selben Kritikpunkt: unrealistische, sexistische Körper-, und Rollenideale für Mädchen und Frauen.<br />
Nun ist der Trick freilich kein neuer, das dominante System mit den eigenen Waffen zu schlagen &#8211; in diesem Fall: Brüste.<br />
Sex Sells &#8211; der Spruch kommt in diesem Zusammenhang leicht über die Lippen. Der nackte Frauenkörper wird benutzt um zu verkaufen. Kleidung, Autos, Parfüms, Castingshows und Zeitschriften, und auch: Feminismus.</p>
<div id="attachment_26107" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Barbie Dreamhouse Femen Protest</p></div>
<p>Diese Doppelmoral von Femen, die Frauenkörper benutzt, um Frauen(körper) zu schützen; die Sexualisierung und Objektifizierung instrumentalisiert um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, welche sie wiederum braucht, um auf den herrschenden Sexismus aufmerksam zu machen, ist aber die selbe, die angeprangert wird. Ein sich selbst reproduzierendes System, aus dem es keinen anderen Ausweg gibt, als sich zu fügen und das Spiel mitzuspielen?<br />
In diesem Zusammenhang ist die Stellungnahme von Pro7, die die Situation &#8222;mit Humor&#8220; nehmen, besonders niederschmetternd:<em> &#8222;Die beiden jungen Frauen haben den Castingaufruf für die nächste Staffel von &#8218;Germany&#8217;s next Topmodel &#8211; by Heidi Klum&#8216; wohl falsch verstanden. Das Casting war vor der Arena und nicht auf der Bühne.&#8220; </em>Keine Opposition also, sondern eigentlich potenzielle Teilnehmerinnen.<br />
Pro7 spricht den Frauen somit ihre Agenda ab, verharmlost und macht sich lustig über den Feminismus &#8211; eine altbewährte Strategie, um den Status quo zu wahren.</p>
<p>Die Ironie an der ganzen Aktion ist aber, wenn man so will, dass die Aktion zwar eine &#8211; wenn auch sehr oberflächliche &#8211; Diskussion angeregt, aber auch den jungen Mädchen, die sie &#8222;retten&#8220; wollte, gezeigt hat, dass man ihnen nur dann Gehör schenkt, wenn sie blank ziehen und ihre &#8222;weiblichen Reize&#8220; einsetzen.<br />
Noch dazu, da auch die Aktivistinnen selbst nicht außerhalb eben jener Schönheitsnormen liegen, beziehungsweise die Medien jene Protestierenden besonders gerne abbilden, die als &#8222;schön&#8220; und &#8222;sexy&#8220; durchgehen.<br />
Anders aber bekommen Feministinnen kaum Gehör, werden auf verschiedene, altbekannte Arten abgestempelt &#8211; männerhassend, behaart, lesbisch. Es ist eine Zwickmühle, aus der sich der Feminismus nur schwer befreien kann.</p>
<div id="attachment_26106" style="width: 810px" class="wp-caption alignnone"><p class="wp-caption-text">Germany&#8217;s Next Topmodel Finale, Femen Aktivistinnen.</p></div>
<p>Hier wäre es nun aber Aufgabe der Medien &#8211; so zumindest lernt es jeder angehende Journalist einmal &#8211; über die reine Tatsachenbeschreibung hinaus zu gehen, nicht nur von Brüsten auf der Bühne, vom Abtransport durch Security, von der Perplexität Klums und dem Sieg Lovelyns aus Hamburg zu sprechen, sondern auch die eine oder andere Frage zu stellen &#8211; zum Beispiel:<br />
&#8211; Was wollen diese nackten Frauen denn eigentlich?<br />
&#8211; Sind ihre Forderungen möglicherweise berechtigt?<br />
&#8211; Ist GNTM eine Sendung, die unserer Gesellschaft einen Mehrwert bringt?</p>
<p>Auch wenn Feminismus ein &#8222;alter Hut&#8220; ist, ein Presseapparat der diese Fragen nicht stellt, verfehlt seine Funktion. Eine Gesellschaft, in der jedes junge Mädchen Model werden will, bleibt kaum eine führende europäische Wirtschaftsmacht.<br />
Vielleicht wären<em> Germany&#8217;s Next Top Scientist</em> oder <em>Germany&#8217;s Next Investigative Journalist</em> ja auch erfolgreiche Formate, für den Anfang wäre auch schon der oder die nächste deutsche Modedesigner/in spannend, à la <em>Project Runway -</em> aber bitte nicht mit Frau Klum.</p>]]></content:encoded>
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